15 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Warum die Wunde noch immer blutet
Maria-Theresia Thanel15 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Warum die Wunde noch immer blutet
15 Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs in eine U-Bahn-Baustrelle ist die Stelle noch immer nicht fertiggestellt. Die Katastrophe von 2009 verschüttete Dokumente aus 1.000 Jahren Geschichte und forderte zwei Menschenleben. Während die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie nun langsam wiederaufgenommen werden, wirken die rechtlichen und physischen Narben der Tragödie nach.
Der Einsturz ereignete sich am 3. März 2009, als sich unter dem Archiv ein Grundwasserkrater auftat. Zwei benachbarte Häuser stürzten in das Loch und begruben zwei junge Männer unter sich. Die gesamte historische Sammlung der Stadt – 1,7 Millionen Dokumente – wurde entweder zerstört oder schwer beschädigt.
Spätere Ermittlungen ergaben, dass kritische Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und als Schrott verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derart großen Bauprojekten verfügten, hatten die Bauaufsicht inne. 2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den Oberbauleiter wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen. Doch das Urteil wurde aufgehoben, und im August 2024 wurde der Fall schließlich eingestellt – statt Haftstrafen gab es Geldbußen.
Noch 2023 war die Baustrelle nur teilweise verfüllt und von Gestrüpp überwuchert. Die nach dem Einsturz errichteten provisorischen Betonbarrieren sollen nun entfernt werden, während die U-Bahn-Arbeiten fortgesetzt werden. Unterdessen wird die mühevolle Restaurierung der geretteten Dokumente voraussichtlich bis 2050 dauern. Experten schätzen, dass ein Drittel des Bestands für immer verloren ist.
Die U-Bahn-Linie wird irgendwann unter der Stelle verlaufen, doch die Folgen des Einsturzes sind bis heute spürbar. Millionen von Akten werden möglicherweise nie wiederhergestellt, und das juristische Verfahren endete ohne Gefängnisstrafen. Für Köln bleibt die Katastrophe nicht nur eine physische Lücke in der Stadt, sondern auch ein dauerhafter Schlag gegen ihr historisches Gedächtnis.






