Bremer Buchhandlung Golden Shop wegen Punk-Zitat vom Buchhandelspreis ausgeschlossen
Frida Stiebitz"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Bremer Buchhandlung Golden Shop wegen Punk-Zitat vom Buchhandelspreis ausgeschlossen
Bremens Buchhandlung Golden Shop von Deutscher Buchhandelspreis ausgeschlossen
Die Bremer Buchhandlung Golden Shop wurde in diesem Jahr vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer ihre Nominierung blockiert hatte. Die Entscheidung folgt auf Kritik an der umstrittenen Fassade des Ladens, die Parolen wie "Deutschland verrecke bitte" zeigt – ein direktes Zitat der Punkband Slime. Weimer argumentierte, der Preis dürfe keine "Staatsfeinde" belohnen, und löste damit eine breite Debatte aus.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Außenwand der Buchhandlung, ein Kunstprojekt mit einer Collage aus literarischen, musikalischen und Filmzitaten. Darunter befindet sich auch der Slime-Text "Wenn der Hunger brennt, und wir stehen vor'm Scherbelager, dann werden wir Waffen!" – eine Abwandlung von Heinrich Heines Gedicht "Die schlesischen Weber" aus dem Jahr 1844. Bereits 1984 hatte die Verfassungsrichterin Margarete Kopp den künstlerischen Wert solcher Zeilen bestätigt: Sie bezeichnete sie als poetische Überhöhung historischen Leidens, reich an Ironie und Rhythmus, und damit als besonders schützenswert im Rahmen der Meinungsfreiheit.
Weimers Eingreifen löste Proteste und Rücktrittsforderungen aus. Kritiker warfen ihm vor, die künstlerische Freiheit zu untergraben, während die Anwältin des Ladens, Lea Voigt, den Schritt als Zeichen für "beunruhigende Lücken im Kanon von Hoch- und Popkultur" verurteilte. Voigt verwies auf das Präzedenzurteil von 1984 und betonte, dass der Slime-Text – wie Heines Original – universelle Themen von Not und Widerstand transportiere.
Die Kontroverse eskalierte, als Weimer die gesamte Preisverleihung absagte. Golden Shop war eine von drei Buchhandlungen, die wegen angeblicher Verbindungen zu "verfassungsrelevanten" Inhalten ausgeschlossen wurden – nähere Angaben blieben jedoch aus.
Der Ausschluss von Golden Shop wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Spannungen zwischen Meinungsfreiheit und staatlicher Aufsicht im deutschen Kulturbetrieb. Rechtswissenschaftler und Künstler verwiesen erneut auf den verfassungsrechtlichen Schutz provokativer Werke und beriefen sich auf langjährige Rechtsprechung zu künstlerischem Wert. Der Vorfall stürzt den Buchhandelspreis in eine Krise – die Veranstalter stehen nun unter Druck, ihre Auswahlkriterien transparent zu machen.