29 April 2026, 05:07

Deutsches Theater feiert Rückkehr der Mammutaufführungen mit Wallenstein in sieben Stunden

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" ist aufgeschlagen und zeigt eine Seite mit Text und einem Logo.

Deutsches Theater feiert Rückkehr der Mammutaufführungen mit Wallenstein in sieben Stunden

Deutsches Theater und die Tradition der Mammutaufführungen

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Das deutsche Theater ist seit langem für seine marathonglangen Aufführungen bekannt. Das diesjährige Berliner Theatertreffen macht da keine Ausnahme – im Programm steht eine siebenstündige Monumentalinszenierung von Wallenstein. Die Zuschauer stürmen die Kassen, die Vorstellungen sind in kürzester Zeit ausverkauft.

Die Tradition der ultra-langen Produktionen reicht Jahrzehnte zurück und wurde von mutigen Regisseuren und sich wandelnden Trends geprägt. Doch nach der Pandemie hatten viele Theater ihre Stücke gekürzt – bis jetzt.

Das Berliner Theatertreffen lädt jedes Jahr zehn herausragende Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Zu den Highlights in diesem Jahr zählt Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen, eine Produktion der Münchner Kammerspiele. Mit sieben Stunden Spielzeit knüpft das Stück an die Tradition opulenter Theaterwerke an.

Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Theatertreffens, erlebte ihre erste Mammutaufführung 2007 beim Wiener Festwochen. Seither sind marathonglange Stücke ein Markenzeichen des deutschsprachigen Theaters. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiel 1999 dauerte zwölf Stunden, Die Brüder Karamasow am Bochumer Schauspielhaus 2023 immerhin sieben.

Der Trend begann in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters. Pioniere wie Peter Stein und Frank Castorf sprengten Grenzen und schufen immersive, ausufernde Werke. Während und nach der Pandemie setzten viele Häuser jedoch auf kürzere, pausenlose Stücke – auch im Wettbewerb mit Streaming und Heimunterhaltung.

Nun schlägt das Pendel zurück. Die Berliner Volksbühne bringt bald Peer Gynt auf die Bühne, dessen erster Teil allein acht Stunden dauerte. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spieldauern, doch die Nachfrage nach epischem Theater ist unübersehbar – besonders beim diesjährigen, ausverkauften Theatertreffen.

Die Rückkehr der Riesenproduktionen zeigt: Das Publikum sehnt sich wieder nach ambitioniertem Theater. Stücke wie Wallenstein oder Peer Gynt ziehen Zuschauer an, die bereit sind, sich stundenlang auf eine einzige Aufführung einzulassen. Vorerst gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Tradition des Marathon-Theaters in Deutschland an Strahlkraft verliert.

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