Eisige Kältewelle trifft Europa – Mainz zwischen Rekordkälte und historischen Entscheidungen
Evangelos RörrichtEisige Kältewelle trifft Europa – Mainz zwischen Rekordkälte und historischen Entscheidungen
Eine extreme Kältewelle fegte Ende Januar über Europa hinweg, forderte Menschenleben und brach Rekorde. Unterdessen gab es in Mainz bedeutende Entwicklungen in den Bereichen Haushalt, Bildung und Stadtprojekte. Zudem fand ein lang ersehnter Abschluss in einem Gewaltverbrechen aus vergangenen Jahren statt.
In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar sanken die Temperaturen auf extreme Tiefstwerte – am Flughafen Frankfurt wurden -22°C gemessen. Die eisigen Bedingungen forderten ihren Tribut: Rund 20 Menschen in ganz Europa starben während dieser Kälteperiode.
Auf lokaler Ebene erreichte die Universität Mainz im Wintersemester 1975/76 einen Meilenstein und schrieb erstmals über 19.000 Studierende ein. Trotz strenger Zulassungsbeschränkungen blieb die Nachfrage nach Bildung hoch. Doch die finanziellen Belastungen wuchsen: Das Studentenwerk rief zu einem zweitägigen Boykott der Mensa auf, nachdem ein Defizit von fast 800.000 Mark prognostiziert worden war. Zudem sollten die Mieten in den Studentenwohnheimen um 40 Mark pro Monat steigen.
Auch die städtischen Finanzen gerieten in den Fokus. Mainz verabschiedete einen Zweijahreshaushalt von 916 Millionen Mark für 1976–77, wobei mehr als ein Fünftel für Sozialleistungen vorgesehen war. Das Universitätsklinikum erhielt 180 Millionen Mark, darunter knapp 50 Millionen an Landeszuschüssen. Das 1972 gestartete Sanierungsprojekt für die Altstadt sicherte sich 13 Millionen Mark und sollte bis 1983 oder 1984 abgeschlossen werden.
Stadtplanerische Vorhaben sorgten derweil für Diskussionen. Am 17. März 1976 gab der Stadtrat trotz Protesten von Anwohnern und Unternehmen grünes Licht für den Bebauungsplan des "Dienstleistungszentrums Bretzenheim-Süd". An anderer Stelle enthüllte der Künstler Gernot Rumpf den "Glöckchenbaum", einen sieben Meter hohen Bronzebrunnen vor dem Bildungsministerium. Die Skulptur, die 160.000 Mark kostete, zeigt 14 Nachbildungen berühmter Glocken, von denen jede 68 kleinere enthält. Nach neunmonatiger Arbeit verblieb Rumpf ein Gewinn vor Steuern in Höhe von 12.000 Mark.
Ein düsteres Kapitel fand seinen Abschluss: Ein seit sechs Jahren ungelöster Mordfall wurde endlich aufgeklärt. Ein 21-Jähriger wurde zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt, weil er im April 1969 in einem Tunnel der Mainzer Zitadelle einen 47-jährigen jugoslawischen Tagelöhner zu Tode geprügelt hatte.
Die Kältewelle hinterließ eine tragische Spur, während Mainz in Bildung, Infrastruktur und Justiz voranschritt. Die Haushaltsverteilung und laufenden Projekte der Stadt spiegeln ihre Prioritäten wider – von studentischem Wohnraum bis zum Denkmalschutz. Die Verurteilung im Mordfall von 1969, wenn auch verspätet, brachte die Aufarbeitung eines langjährigen Verbrechens zu einem Abschluss.






