Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt deutsche Energiepolitik als klimaschädlich
Claudius KeudelHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt deutsche Energiepolitik als klimaschädlich
Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär in Deutschland, hat die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Er wirft den Verantwortlichen vor, trotz wiederholter Warnungen vor den Klimarisiken weiterhin an Öl und Gas festzuhalten. Seine Äußerungen erfolgen, nachdem er im Mai 2023 nach Streitigkeiten um das deutsche Heizungsgesetz und Vorwürfen wegen Interessenkonflikten vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war.
Graichen führt den Rückzug der Regierung von nachhaltigen Politiken auf drei Hauptgründe zurück: wirtschaftliche Verflechtungen mit der Öl- und Gasindustrie, den Einfluss rechtspopulistischer Kräfte und eine generelle Veränderungsresistenz. Er betont, dass das Ignorieren der Klimakrise diese nicht verschwinden lasse, und sagt voraus, dass Deutschland früher oder später zu einer grüneren Politik zurückkehren werde.
Als Vorbild nennt er die skandinavischen Länder. In den vergangenen fünf Jahren haben Staaten wie Norwegen, Schweden und Dänemark die Kosten für Elektroautos und Wärmepumpen im Vergleich zu fossilen Alternativen um bis zu 50 Prozent gesenkt. In Norwegen werden mittlerweile über 90 Prozent der Neuwagen mit Elektroantrieb verkauft, während Schweden die Installation von Wärmepumpen verdoppelt hat – mittlerweile nutzen mehr als die Hälfte aller Haushalte diese Technologie. Möglich wurde dies durch hohe CO₂-Steuern, massive Subventionen – etwa die vollständige Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge in Norwegen bis 2025 – sowie große Investitionen in erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft.
Um diesen Erfolg zu wiederholen, schlägt Graichen vor, die Stromsteuer abzuschaffen, die Netzentgelte zu reformieren und stärkere Anreize für Elektroautos und Wärmepumpen zu schaffen. Sein Ziel: nachhaltige Alternativen genauso erschwinglich machen wie fossile Brennstoffe.
Graichens Kritik fällt in eine Phase, in der er selbst seit seinem Ausscheiden aus dem Amt im vergangenen Jahr nicht mehr aktiv an der Gestaltung der Energiepolitik mitwirkt. Er war nach Konflikten um das Heizungsgesetz und Fragen zu seiner Rolle bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Deutschen Energie-Agentur (dena) kaltgestellt worden.
Die Debatte offenbart die Spaltung in der deutschen Energiestrategie. Während Graichen für eine Übernahme des skandinavischen Erfolgsmodells plädiert, setzt die aktuelle Regierung weiterhin auf traditionelle Energieträger. Seine Vorschläge – Steuersenkungen, Netzentgeltreformen und Förderanreize – bleiben jedoch auf dem Tisch, während das Land über die nächsten Schritte in der Klimapolitik entscheidet.






