EZB plant Drei-Stufen-Strategie gegen explodierende Energiepreise durch Iran-Krieg
Frida StiebitzEZB plant Drei-Stufen-Strategie gegen explodierende Energiepreise durch Iran-Krieg
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine klare Strategie zur Bewältigung der steigenden Energiepreise vorgelegt, die durch den Iran-Krieg ausgelöst wurden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte einen Drei-Stufen-Plan vor, der die Entscheidungen zu Zinssätzen und Inflationskontrolle leiten soll. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines Ölpreisanstiegs um fast 60 Prozent seit Ende Februar – die Werte erreichen damit ein Niveau, wie es zuletzt während der Energiekrise 2022 zu beobachten war.
Seit Beginn des Konflikts in Iran sind die Ölpreise stark gestiegen: Die Nordsee-Sorte Brent notierte Ende März bei 107,36 US-Dollar pro Fass, West Texas Intermediate (WTI) bei 102,63 US-Dollar. Kurzzeitig kletterten die Preise sogar auf fast 120 US-Dollar – deutlich über den üblichen Prognosen der EZB – bedingt durch die Blockade der Straße von Hormus. Experten warnen, dass bei anhaltenden Störungen die Preise auf 150 bis 200 US-Dollar hochschnellen könnten, was allein im März die Inflation in Deutschland auf 2,7 Prozent treiben würde.
Lagardes Strategie sieht vor, kurzfristige Energieschocks zunächst zu ignorieren, da geldpolitische Maßnahmen zu spät kämen, um wirksam zu sein. Sollte die Inflation das EZB-Ziel zwar überschreiten, aber nur vorübergehend bleiben, wird die Bank ihre Politik schrittweise anpassen. Bei anhaltenden Abweichungen vom Inflationsziel sei jedoch eine entschlossene und nachhaltige Reaktion erforderlich.
Die Modelle der EZB zeigen, dass die aktuellen Ölpreise nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Werte liegen – weit außerhalb des normalen Rahmens. In einem schweren Szenario könnten anhaltend hohe Energiepreise eine leichte Rezession auslösen und die Inflation über zwei Jahre hinweg erhöht halten. Die ungünstige Prognose der Bank – die sich eng an den Markterwartungen orientiert – geht von einer stagnierenden Wachstumsentwicklung im Euroraum für den Rest des Jahres 2026 aus, gefolgt von einer langsamen Erholung.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, verglich den Entscheidungsprozess mit einem statistischen Probit-Modell. Bei jeder Sitzung werde der EZB-Rat abwägen, ob der Schock ignoriert, die Politik moderat angepasst oder – gestützt auf aktuelle Daten – entschlossen gehandelt werden müsse.
Der Ansatz der EZB balanciert zwischen Zurückhaltung und der Bereitschaft, einzugreifen, sollten die Inflationsrisiken wachsen. Die Ölpreise bleiben volatil, und weitere Störungen könnten sie noch weiter in die Höhe treiben. Die nächsten Schritte der Bank hängen davon ab, wie lange der Energieschock anhält und welche Auswirkungen er auf die Wirtschaft im Euroraum hat.






