Frankfurt (Oder) feiert Kleist mit Punk-Oper und politischen Debatten
Evangelos RörrichtFrankfurt (Oder) feiert Kleist mit Punk-Oper und politischen Debatten
Frankfurt (Oder) bereitet sich auf sein jährliches Kleist-Festival vor, das in diesem Jahr vom 7. bis 12. Oktober stattfindet. Die Veranstaltung ehrt Heinrich von Kleist, die berühmteste literarische Persönlichkeit der Stadt, der hier 1777 geboren wurde. Die Organisatoren kündigen ein vielseitiges Programm aus Theater, Musik und Debatten an – und knüpfen dabei Kleists Erbe an die drängenden Fragen der Gegenwart.
Auch der Blick nach vorn gehört zum diesjährigen Programm: 2027 wird die Stadt mit einem Kleist-Jahr den 250. Geburtstag des Dichters groß feiern.
Das Festival verbindet klassische und zeitgenössische Werke. Zu den Höhepunkten zählt ein neues Stück der Dramatikerin Theresia Walser, das untersucht, wie eine Schule unter einer rechtsextremen Regierung radikalisiert wird. Ein weiteres mutiges Projekt ist die Punk-Oper Schroffenstein: In Grund und Boden, die Arien mit Punk-Hymnen verschmilzt.
Kleists bekannteste Komödie, Der zerbrochene Krug, bleibt ein fester Bestandteil der deutschen Schullektüre und wird erneut auf die Bühne gebracht. Seit seiner Wiederentdeckung in der Mitte des 20. Jahrhunderts – maßgeblich geprägt durch Regisseure wie Fritz Kortner, der das Stück 1948 inszenierte – wurde das Werk unzählige Male neu interpretiert: von experimentellen 1970er-Jahre-Produktionen an Berlins Schaubühne bis hin zu heutigen politisch aufgeladenen Adaptionen.
Musik spielt eine zentrale Rolle und spiegelt ihren Einfluss auf Kleists Schaffen wider. Ein Chorkonzert und eine Ausstellung über sein Leben ergänzen literarische Diskussionen. Die Festivalthemen reichen von Klimawandel bis zu Extremismus – und stellen seine Werke als Werkzeuge vor, um aktuelle Herausforderungen zu analysieren.
Die Rezeption Kleists hat sich über die Jahrzehnte gewandelt. War er nach dem Zweiten Weltkrieg eine wiederentdeckte Stimme, gilt er heute als kanonischer Autor, dessen Themen wie Gerechtigkeit und Macht in neuen Deutungen nach wie vor relevant sind.
Das Kleist-Festival 2025 will zeigen, wie die Ideen eines Aufklärers des 18. Jahrhunderts heute noch brisant sind. Durch Theater, Musik und Debatten lotet es die Verbindungen zwischen seinem Werk und gegenwärtigen Kämpfen aus. Die Vorbereitungen für das Jubiläum 2027 deuten darauf hin, dass Frankfurt (Oder) Kleists Erbe für kommende Generationen lebendig halten will.