Fünf lebendige Traditionen werden zum deutschen Kulturerbe erklärt
Maria-Theresia ThanelFünf lebendige Traditionen werden zum deutschen Kulturerbe erklärt
Fünf neue Traditionen sind in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen worden. Die Liste umfasst nun die Straßenfußballkultur, das maßgeschneiderte Herrenhandwerk, die Martinsbräuche, die Schaustellertraditionen auf Volksfesten sowie den kleinteiligen Küstenfischfang. Vertreter der zuständigen Gremien bezeichneten die Neuzugänge als Spiegel der lebendigen kulturellen Wurzeln des Landes.
Die Auswahl erfolgte nach einer eingehenden Prüfung durch das Fachkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission. Jeder Eintrag durchlief ein mehrstufiges Verfahren, bevor er offiziell anerkannt wurde. Deutschland trat 2013 dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bei. Das Abkommen, das 2003 in Paris verabschiedet wurde, ist mittlerweile von 185 Staaten ratifiziert worden. Das nationale Verzeichnis umfasst nun 173 kulturelle Praktiken, die bundesweit aktiv gepflegt werden.
Die neu aufgenommenen Traditionen zeigen die Vielfalt des kulturellen Erbes: Die Straßenfußballkultur, lokal auch als Bolzplatzkultur bekannt, steht für den basisdemokratischen Sport. Das maßgeschneiderte Herrenhandwerk (Herrenschneiderhandwerk) würdigt die Handwerkskunst individuell gefertigter Herrenanzüge. Die Martinsbräuche im Rheinland beinhalten Laternenumzüge und gemeinschaftliche Feiern. Die Schaustellertraditionen auf Volksfesten ehren die fahrenden Künstler und Unterhalter, während der kleinteilige Küstenfischfang in der Ostsee und den Boddengewässern jahrhundertealte Fangmethoden bewahrt.
Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte, dass immaterielles Kulturerbe dann gedeiht, wenn Menschen es aktiv leben und ihr Wissen weitergeben. Katharina Binz, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, ergänzte, dass Traditionen durch tägliche Teilhabe lebendig bleiben. Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, bezeichnete diese Praktiken als die "lebendigen Wurzeln moderner kultureller Identität".
Das erweiterte Verzeichnis umfasst nun 173 Traditionen – von Handwerkskünsten bis zu Festbräuchen. Jeder neue Eintrag muss Kreativität, Inklusion und Innovationskraft beweisen. Das Register hat zum Ziel, kulturelle Praktiken zu schützen, die von Gemeinschaften aktiv bewahrt und im Laufe der Zeit weiterentwickelt werden.






