Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau entfacht Debatte über preußisches Erbe und NS-Vergangenheit
Frida StiebitzIn der Garnisonkirche: Gedenkfeier zum 'Tag von Potsdam' - Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau entfacht Debatte über preußisches Erbe und NS-Vergangenheit
Die Potsdamer Garnisonkirche, einst ein Symbol preußischer Militärtradition, wird nach Jahrzehnten des Verfalls wiederaufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1968 von den DDR-Behörden gesprengt, hat ihre Rekonstruktion eine hitzige Debatte entfacht. Kritiker warnen, die mit dem NS-Machtantritt 1933 verbundene Geschichte könnte den Militarismus verherrlichen, während Befürworter darin den Erhalt des kulturellen Erbes sehen.
Das ursprüngliche Gotteshaus wurde 1945 durch alliierte Bombenangriffe in Schutt und Asche gelegt. 1968 ließ die DDR-Führung den Rest sprengen – für sie ein Relikt preußischen Militarismus, das es zu tilgen galt. Nun entsteht der Bau originalgetreu neu; nach Ostern 2026 soll die Kuppel des Turms fertiggestellt werden.
Der Streit dreht sich um die Rolle der Kirche beim sogenannten "Tag von Potsdam" am 21. März 1933. An diesem Tag inszenierten Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg dort einen symbolträchtigen Händedruck, der den Machtübergang von der Weimarer Republik an die Nationalsozialisten besiegelte. Die Veranstaltung diente als Propagandainstrument und markierte den Beginn der Diktatur.
Gegen den Wiederaufbau formiert sich Widerstand vor allem aus linken Kreisen, die eine Geschichtsverklärung befürchten. Kirchenbünde hingegen unterstützen das Projekt seit 2004 und deuten es als Versöhnungszeichen. Eine jüngste Gedenkveranstaltung am Ort erinnerte an das 93. Jubiläum des "Tages von Potsdam" – ein Beleg für seine anhaltende Brisanz.
Trotz anhaltender Kontroversen schreiten die Bauarbeiten voran. Mit der Fertigstellung kehrt ein Bauwerk zurück, das sowohl mit preußischer Geschichte als auch mit NS-Propaganda verbunden ist. Wie der Ort künftig mit dieser Vergangenheit umgeht, bleibt eine zentrale Frage für Historiker und die Öffentlichkeit.






