Kulturstaatsminister Weimer gerät wegen umstrittenen Entscheidungen unter Druck
Claudius KeudelKulturstaatsminister Weimer gerät wegen umstrittenen Entscheidungen unter Druck
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer steht wegen mehrerer jüngster Entscheidungen zunehmend in der Kritik. Seine Maßnahmen – von der Baustopp-Anordnung an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig bis zum Ausschluss bestimmter Buchhandlungen von einer bedeutenden Auszeichnung – haben bei Kulturverbänden Empörung ausgelöst. Dennoch hat Bundeskanzler Friedrich Merz Weimer öffentlich in Schutz genommen und ihn als "notwendige Stimme in schwierigen Debatten" bezeichnet.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat Weimers Entscheidung, bestimmte Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen, scharf verurteilt. Wie bekannt wurde, hatte sein Ministerium die Überprüfung dieser Läden durch den Verfassungsschutz veranlasst, woraufhin standardisierte Absagen verschickt wurden. Weimers Team wies Vorwürfe der Täuschung zurück und bezeichnete das Vorgehen als routinemäßige Verwaltungsprüfung im Rahmen von verfassungsschutzrelevanten Bedenken nach dem Haber-Verfahren.
Kritik gibt es auch für Weimers Pläne, den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig einzufrieren. Zudem berichteten Medien über angebliche Versuche, Tricia Tuttle, die Leiterin der Berlinale, abzulösen. Gleichzeitig forderten Überlebendenverbände des Konzentrationslagers Buchenwald seinen Rückzug von der Rede zur Befreiungsfeier am 12. April. Sein Sprecher bestätigte jedoch seine Teilnahme und verwies auf die Unterstützung der Gedenkstättenleitung sowie des Zentralrats der Juden, der Weimer als "eine der klarsten Stimmen im Kampf gegen Antisemitismus" lobte.
Angesichts der wachsenden Vorwürfe bekräftigte Kanzler Merz im Bundestag sein Vertrauen in Weimer. Er räumte ein, dass ein Minister für Kultur und Medien zwangsläufig mit Kontroversen konfrontiert sei, betonte aber, viele von Weimers Initiativen fühlten sich breiter Rückhalt. Merz verteidigte ausdrücklich die Bilanz des Ministers und erklärte, nicht jede Entscheidung könne – oder solle – auf allgemeine Zustimmung stoßen.
Trotz des Widerstands wichtiger Kultureinrichtungen bleibt Weimer mit Rückendeckung des Kanzlers im Amt. Seine Politik – von den verfassungsschutzgestützten Buchhandelsausschlüssen bis zur Leipzig-Pause – spaltet weiterhin die Meinungen. Der Zentralrat der Juden und die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald jedoch unterstützen öffentlich seine Haltung gegen Antisemitismus sowie seine geplante Rede bei der Gedenkveranstaltung.






