Pflegereform 2024: Warum Angehörige jetzt noch stärker belastet werden könnten
Frida StiebitzPflegereform 2024: Warum Angehörige jetzt noch stärker belastet werden könnten
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wird Mitte Mai einen Entwurf zur Reform der deutschen Pflegeversicherung vorstellen. Ein zentraler Vorschlag sieht vor, die finanzielle Entlastung für Bewohner von Pflegeheimen hinauszuzögern: Die Wartezeit, nach der sich die Eigenbeteiligung verringert, soll von zwölf auf 18 Monate verlängert werden. Kritiker warnen, dass diese Änderung unerwünschte Folgen für Familien und das System selbst haben könnte.
Ziel der geplanten Reform ist es, den kurzfristigen Druck auf den Haushalt der Pflegeversicherung zu verringern. Durch die Verschiebung der Senkung der Eigenbeteiligung erhofft sich die Regierung Kosteneinsparungen. Doch Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Caritasverbandes, äußert Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Bewohner und ihre Angehörigen.
Welskop-Deffaa betonte, die Reform dürfe die generationenübergreifende Solidarität nicht schwächen, die das Rückgrat des Systems bilde. Familien seien bereits jetzt stark belastet – weitere finanzielle Mehrkosten würden ihre Situation zusätzlich verschärfen. Schlecht gestaltete Anreize könnten zudem das Vertrauen der Versicherten in das solidarische Modell untergraben, warnte sie.
Ein weiteres Risiko bestehe darin, dass Menschen Vermögen vor einem Pflegebedarf auf Angehörige übertragen könnten, um höhere Kosten zu umgehen, so Welskop-Deffaa. Sie forderte zudem, bestehende Leistungen wie die beitragsfreie Familienmitversicherung und die Rentenabsicherung für pflegende Angehörige zu erhalten. Ohne solche Schutzmechanismen drohe der Reform ein Bumerang-Effekt.
Die Caritas-Präsidentin hob auch die unverzichtbare Rolle von pflegenden Angehörigen hervor und forderte mehr Unterstützung, um sie vor noch größeren finanziellen und emotionalen Belastungen zu bewahren. Das aktuelle System, so Welskop-Deffaa, sei darauf angewiesen, dass Familien Lücken in der professionellen Pflege schließen.
Der Reformentwurf soll Mitte Mai finalisiert werden, wobei die geplante Verzögerung bei der Senkung der Eigenbeteiligung besonders unter die Lupe genommen wird. Sollte die Änderung umgesetzt werden, könnte sie zwar die akuten Kosten für das Pflegesystem senken – gleichzeitig aber den finanziellen Druck auf Bewohner und ihre Familien erhöhen. Die Regierung steht vor der Herausforderung, Haushaltsziele mit dem Erhalt des Vertrauens in das Pflegeversicherungsmodell in Einklang zu bringen.






