Proteste in Buchenwald: Wenn NS-Gedenken auf Gaza-Konflikt trifft
Maria-Theresia ThanelProteste in Buchenwald: Wenn NS-Gedenken auf Gaza-Konflikt trifft
Initiative "Kufiyas in Buchenwald" plant Proteste bei Gedenkfeier 2026 – NS-Verbrechen mit Gaza-Konflikt verknüpft
Eine neue Initiative mit dem Namen Kufiyas in Buchenwald beabsichtigt, bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Lagers im Jahr 2026 durch die Verknüpfung von NS-Verbrechen mit dem Gaza-Krieg zu protestieren. Die Gruppe formierte sich nach einem Vorfall im Jahr 2025, als einer Aktivistin der Zutritt zur 80-Jahr-Feier verwehrt wurde, weil sie ein Kufiya als politisches Statement trug. Ihre Aktionen haben unter Überlebenden und Gedenkstättenverbänden Empörung ausgelöst.
Der Streit begann im April 2025, als einer antifaschistischen Aktivistin die Teilnahme an der Befreiungsfeier in Buchenwald verweigert wurde, weil sie ein Kufiya als Protest gegen Israel trug. Ein Gericht bestätigte die Entscheidung, doch der Vorfall führte zur Gründung von Kufiyas in Buchenwald. Die Gruppe kündigte an, bei der Gedenkveranstaltung zur Selbstbefreiung 2026 zu demonstrieren und Israel dabei als "Apartheidstaat" zu brandmarken, dem sie "Völkermord in Gaza" vorwirft. In einem Interview mit der Jungen Welt bezeichnete eine Sprecherin der Initiative Israel als "den völkermörderischen Staat".
Der Lagerverband Buchenwald-Dora verurteilte das Vorgehen der Gruppe scharf und nannte es eine bewusste Provokation gegenüber den Überlebenden. Katinka Poensgen, Sprecherin des Verbandes, betonte, der Fokus müsse auf dem Schutz der letzten noch lebenden Zeitzeugen liegen – nicht auf der Politisierung ihres Leidens. Unterdessen fordern Überlebendengruppen, dass Kulturminister Wolfram Weimer der Feier am 11. April fernbleibt. Weimer hatte zuvor eine Äußerung von Heinrich Heine über jüdische Assimilation gelobt, die Kritiker als herablassend gegenüber jüdischer Identität werteten.
Mit der abnehmenden Zahl der Buchenwald-Überlebenden kämpfen verschiedene Gruppen um die Deutungshoheit über die Erinnerung an das Lager. Naftali Fürst, der als Zwölfjähriger von Auschwitz nach Buchenwald auf einen Todesmarsch getrieben wurde und heute in Israel lebt, steht mit seiner Geschichte im Zentrum der Debatte, ob Jüdinnen und Juden in der deutschen Gedenkultur noch einen Platz haben.
Der Konflikt spiegelt die wachsenden Spannungen um die Erinnerung an den Holocaust in Deutschland wider – besonders seit dem 7. Oktober 2023. Angesichts immer weniger Zeitzeugen hat sich der Streit um das Erbe Buchenwalds verschärft. Die Gedenkveranstaltung 2026 wird nun von Protesten, juristischen Auseinandersetzungen und tiefen Gräben darüber geprägt sein, wie der Vergangenheit angemessen gedacht werden soll.






