Wie das Zeitungssterben in Greiz eine Oma ins digitale Zeitalter zwang – und andere in die Arme der AfD trieb
Frida StiebitzWie das Zeitungssterben in Greiz eine Oma ins digitale Zeitalter zwang – und andere in die Arme der AfD trieb
Fast ein halbes Jahrhundert lang verließ sich Oma Paluschke auf ihre lokale Zeitung, die Ostthüringer Zeitung (OTZ), um täglich auf dem Laufenden zu bleiben. Doch im Frühling 2023 stellte das Blatt in elf Gemeinden rund um Greiz den Druck ein – sie und Hunderte andere mussten sich umstellen. Der plötzliche Wandel ließ viele Einwohner zurück, die nun kämpften, informiert zu bleiben – oder sich alternativen Quellen zuwandten, die ganz andere Absichten verfolgten.
Die Veränderung kam mit wenig Vorwarnung. Die Funke-Mediengruppe, Herausgeberin der OTZ, gab zu, dass der digitale Umstieg nur acht Wochen Planung erhalten hatte. Statt ihre Abos zu kündigen, erhielten rund 300 langjährige Leser, darunter auch Oma Paluschke, Tablets und eine kurze Einweisung, um die E-Paper-Version zu nutzen. Mittlerweile liest sie ihre Nachrichten online – und hat sich sogar ans digitale Dating gewagt.
Doch nicht alle machten mit. Fast die Hälfte von Paluschkes Bekannten kündigte ihre Abos komplett. Manche stiegen auf kostenlose Anzeigenblätter um, die oft eine der AfD nahestehende Perspektive verbreiten. Andere hörten schlicht auf, seriösen Journalismus zu lesen, und verlassen sich stattdessen auf die unkritischen Mitteilungen des örtlichen Gemeinderats.
Die Lücke, die die OTZ hinterließ, wurde schnell gefüllt. In Greiz übernahmen Akteure mit Verbindungen zur rechtsextremen AfD die Plattform Heimatbote Vogtland und verbreiteten dort ihre politischen Narrative. Unterdessen befragte das Team von Netzwerk Recherche Einwohner, darunter auch Paluschke, danach, was sie sich von der lokalen Berichterstattung wünschen. Die Ergebnisse zeigten, wie tiefgreifend der Wandel langjährige Gewohnheiten erschüttert hatte.
Das Ende der Printausgabe in Greiz veränderte, wie die Menschen an ihre Nachrichten kommen. Einige, wie Oma Paluschke, stiegen ins digitale Lesen ein, andere wandten sich ganz vom traditionellen Journalismus ab. Die entstandene Leerstelle bot zudem parteiischen Medien Raum – und prägte die lokale Medienlandschaft nachhaltig um, mit Folgen, die wohl noch Jahre anhalten werden.






