Berlin erzwingt Ausbildungsquote: Ab 2028 drohen Strafen für Unternehmen ohne Lehrlinge
Evangelos RörrichtBerlin erzwingt Ausbildungsquote: Ab 2028 drohen Strafen für Unternehmen ohne Lehrlinge
Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe ein, um Unternehmen zu mehr Lehrstellen zu verpflichten. Die vom Abgeordnetenhaus beschlossene Regelung bestraft Betriebe, die eine Mindestausbildungsquote nicht erfüllen. Kritiker halten die Maßnahme für einen Fehlansatz, der die eigentlichen Herausforderungen moderner Unternehmen und junger Arbeitnehmer ignoriert.
Ab 2028 müssen Berliner Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft aus Auszubildenden bestehen. Wer dies nicht schafft, zahlt in einen Fonds ein, der voraussichtlich jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen wird. Die Quote entspricht zwar dem deutschen Durchschnitt von 2024, liegt aber unter den Werten anderer Regionen.
Die Regelung knüpft an eine 2023 eingeführte Verpflichtung an, wonach Betriebe unter der 4,6-Prozent-Marke Lehrstellen schaffen müssen. Seither wurden etwa 1.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – deutlich weniger als die angestrebten 2.000. Wirtschaftsvertreter zeigen sich verärgert und bezeichnen die Abgabe als undurchführbar für bestimmte Branchen.
Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, kritisiert die Maßnahme als "falsches Signal" aus Berlin. Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Ausbildung. Marius Meiners von Peec AI räumt ein, sein Team habe keine Kapazitäten für Auszubildende und ziehe die Strafe vor. Moritz Kreppel, Chef von Urban Sports Club, argumentiert, Start-ups würden ungerechtfertigt für Tätigkeiten belastet, die sich nicht für Ausbildungsberufe eignen.
Agnieszka Walorska von der Fintech-Firma Mika verweist auf ein grundlegendes Problem: das sinkende Interesse junger Menschen an beruflicher Ausbildung. Die Ursache liege weniger in mangelnder Bereitschaft der Unternehmen als vielmehr in veränderten Karrierevorstellungen der Jugend.
Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und zwingt Betriebe, entweder die Ausbildungsquote zu erfüllen oder finanziell beizutragen. Bisher wurden nur 1.300 neue Lehrstellen geschaffen – Berlin verfehlt damit seine Ziele. Wie sich die Regelung auf Start-ups und automatisierungsintensive Branchen auswirkt, wird sich bis zum Stichtag zeigen.






