Berlin kämpft mit Rekordzahl an Messerangriffen – AfD heizt Wahlkampf an
Evangelos RörrichtBerlin kämpft mit Rekordzahl an Messerangriffen – AfD heizt Wahlkampf an
Messattacken in Berlin nehmen drastisch zu – AfD nutzt Thema für Wahlkampf
In Berlin hat die Zahl der Messerangriffe stark zugenommen: Die Polizei registrierte 2024 insgesamt 3.412 Vorfälle – ein Anstieg von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Thema ist nun zum zentralen Wahlkampfthema der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) vor den anstehenden Wahlen geworden. Die Partei behauptet, ihre neu veröffentlichten Daten zu Messerdelikten würden mehr Transparenz von den Behörden erzwingen.
Der Berliner Landesverband der AfD hat ein Online-Tool gestartet, das als "Messer-App" bezeichnet wird. Es erfasst polizeilich gemeldete Messerangriffe, Verletzungen und Tatorte auf einer interaktiven Karte. Die Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker kritisierte die regierende Koalition dafür, wichtige Details vorzuenthalten – etwa die Nationalität der Tatverdächtigen. Solche Angaben werden in Berlin im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern derzeit nicht veröffentlicht.
Durch den Abgleich von Polizeiberichten mit den offiziellen Kriminalstatistiken wiesen die AfD-Vertreter auf erhebliche Lücken in der Erfassung hin. Die Partei argumentiert, dass eine umfassendere Datenfreigabe den Druck auf die Koalition erhöhen würde, das Problem wirksamer zu bekämpfen. Die Linke hingegen verurteilte die AfD-Kampagne scharf und wirft ihr vor, gezielt Ängste zu schüren und Feindseligkeit gegenüber Migranten zu fördern.
Laut der AfD-Übersicht gab es 2024 insgesamt 1.906 identifizierte Tatverdächtige. Öffentliche Daten dazu, wie viele Fälle zu Anklagen oder Verurteilungen führten, existieren jedoch nicht. Lediglich Einzelfälle wurden bekannt, darunter ein 20-jähriger Syrer, der 2025 zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde – wegen eines Messerangriffs am Holocaust-Mahnmal im Jahr 2024. Ein weiterer Angeklagter muss sich wegen versuchten Mordes nach einem Vorfall im Oktober 2024 verantworten, und ein 25-Jähriger legte Berufung gegen ein dreijähriges Urteil wegen Körperverletzung von Februar 2024 ein.
Auch die Schusswaffenkriminalität ist stark angestiegen: 2025 verzeichnete die Polizei einen Anstieg der Waffendelikte um 68 Prozent. Die AfD besteht darauf, dass ihre Erkenntnisse die Behörden zwingen werden, sich mit dem zu befassen, was sie als eskalierende Krise bezeichnen.
Der Vorstoß der AfD für mehr Transparenz erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Messergewalt in Berlin weiter zunimmt. Mit ihrem Datentool und öffentlichen Stellungnahmen will die Partei das Thema im politischen Diskurs ganz oben halten. Kritiker hingegen warnen, die Kampagne könnte gesellschaftliche Spaltungen vertiefen, statt die eigentlichen Ursachen der Gewalt zu bekämpfen.






