Collien Fernandes bricht trotz Todesdrohungen ihr Schweigen über Misshandlung
Frida StiebitzCollien Fernandes bricht trotz Todesdrohungen ihr Schweigen über Misshandlung
Eine Woche, nachdem sie ihre Misshandlungsvorwürfe öffentlich gemacht hatte, stand Collien Fernandes vor einer riesigen Menschenmenge in Hamburg. Mit einer schusssicheren Weste bekleidet und von Polizisten umgeben, richtete sie sich trotz Todesdrohungen an die Demonstranten. Die Kundgebung war Teil einer wachsenden Bewegung gegen sexualisierte Gewalt, die sich derzeit durch ganz Deutschland zieht.
Fernandes rang sichtlich um Worte, als sie ihre Geschichte erzählte und andere Frauen aufforderte, ihr Schweigen zu brechen. Ihre Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben landesweit Empörung ausgelöst. An der Protestaktion in Hamburg nahmen schätzungsweise 22.000 Menschen teil – weit mehr als die von den Organisatoren erwarteten 7.500.
Auch andere Frauen berichteten bei der Veranstaltung von ihren eigenen Gewalterfahrungen. Ihre Schilderungen unterstrichen das systemische Ausmaß des Problems. Unterdessen sprach die Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Berlin auf einer separaten Kundgebung und forderte die Bundeskanzlerin auf, das Problem öffentlich anzuerkennen. Sie warnte, dass ein Großteil der schlimmsten Gewalt im Verborgenen bleibe.
Die Hamburger Demonstration endete mit jungen Frauen, die Solidaritätsrufe skandierten und mit erhobenen Fäusten ihre Unterstützung zeigten. Weitere Proteste sind bereits in Köln und München geplant – ein Zeichen dafür, dass die Bewegung an Fahrt aufnimmt.
Fernandes' Auftritt unter Polizeischutz verdeutlicht die Risiken, denen sich diejenigen aussetzen, die an die Öffentlichkeit gehen. Die schiere Größe der Hamburger Demonstration zeigt die wachsende öffentliche Forderung nach Veränderung. Die Organisatoren rechnen nun mit weiteren Kundgebungen, da immer mehr Betroffene ihre Geschichten teilen.






