02 April 2026, 22:20

EMAF in Osnabrück löst Streit um palästinensischen Künstler und BDS-Vorwürfe aus

Plakat für ein Festival in München mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

EMAF in Osnabrück löst Streit um palästinensischen Künstler und BDS-Vorwürfe aus

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms des palästinensischen Künstlers Al-Sharif in sein Programm für Kontroversen gesorgt. Stadt- und Landesvertreter kritisieren die Entscheidung scharf, doch die Förderung des Festivals bleibt unverändert. Im Mittelpunkt des Streits stehen Vorwürfe des Antisemitismus sowie angebliche Verbindungen Al-Sharifs zur BDS-Bewegung.

Das diesjährige EMAF, das unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" steht, setzt sich mit künstlerischer Freiheit und Verantwortung auseinander. Das Festival zeigt dabei neben jüdischen und israelischen auch palästinensische Perspektiven. Doch besonders die Aufnahme von Al-Sharifs Film "Morning Circle" hat heftige Kritik ausgelöst.

Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival auf Al-Sharifs Werk verzichtet hätte. Ein Stadtsprecher fügte hinzu, dessen Positionen stünden im Widerspruch zu den Werten Osnabrücks – zugleich wurde jedoch das Recht auf künstlerische Freiheit betont. Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, zog in Reaktion auf die Debatte seine Schirmherrschaft zurück.

Die Landesregierung bekräftigte zwar ihre Ablehnung von Antisemitismus, respektiere aber die Programmgestaltung des EMAF. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, argumentierte hingegen, palästinensische Stimmen dürften nicht unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen gebracht werden. Die jährliche städtische Förderung des Festivals in Höhe von etwa 150.000 Euro bleibt davon unberührt.

Die BDS-Bewegung, 2005 gegründet, setzt sich für Boykotte und Sanktionen gegen Israel ein – mit Verweis auf das Völkerrecht. Zwar findet sie Unterstützung, etwa von der Berliner Hertie School im Jahr 2023, sieht sich aber auch Vorwürfen des Antisemitismus und rechtlichen Einschränkungen ausgesetzt. Bis 2020 hatten über 30 US-Bundesstaaten Anti-Boykott-Gesetze verabschiedet, und Israel sowie einige europäische Regionen hatten BDS-Aktivitäten verboten.

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Trotz der Kritik wird das EMAF "Morning Circle" wie geplant zeigen. Die Osnabrücker Stadtverwaltung hält an der finanziellen Unterstützung fest, distanziert sich jedoch von der Festivalauswahl. Die Debatte verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck, politischem Aktivismus und dem Vorwurf des Antisemitismus.

Quelle