Gericht stoppt Online-Apothekenplattform wegen illegaler Patientenlenkung
Evangelos RörrichtGericht stoppt Online-Apothekenplattform wegen illegaler Patientenlenkung
Ein deutsches Gericht hat eine Online-Apothekenplattform verurteilt, weil sie Patienten gezielt an bestimmte Apotheken vermittelt. Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) hatte gegen DoktorABC geklagt und vor dem Landgericht Berlin II einen Erfolg erzielt. Das Urteil unterstreicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich illegaler Werbung und der Einschränkung der freien Apothekenwahl für Patienten.
Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die Zusammenarbeit einer Apotheke mit DoktorABC, einem Online-Dienst, über den Patienten nach dem Ausfüllen eines Fragebogens verschreibungspflichtige Medikamente bestellen können. Das Gericht entschied, dass solche Kooperationen gegen Werberegeln verstoßen – selbst wenn die Plattformen keine konkreten Arzneimittel nennen, sondern gezielt bestimmte Krankheitsbilder ansprechen.
Die AKNR warnte, dass Apotheken, die mit solchen Plattformen zusammenarbeiten, rechtliche Konsequenzen riskieren, darunter den Entzug ihrer Betriebserlaubnis. Laut Urteil tragen Apotheken eine Mitschuld an unzulässiger Werbung durch ihre Partner, unabhängig davon, wer die Plattform betreibt.
Das Urteil steht im Einklang mit einer jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) im Fall Bloomwell, die bestätigte, dass Werbeverbote sowohl für einzelne Medikamente als auch für ganze Arzneimittelkategorien gelten. Die AKNR betonte zudem, dass aktuelle Werbekampagnen für Behandlungen wie medizinisches Cannabis häufig gegen geltendes Recht verstoßen.
Als Reaktion wird das Jurateam der AKNR das Urteil nun detailliert prüfen. Weitere Klagen gegen ähnliche Geschäftsmodelle, die das Prinzip der freien Apothekenwahl untergraben, sind zu erwarten.
Die Gerichtsentscheidung festigt die strengen Regeln zur Apothekenwerbung und Patientenlenkung. Beteiligte Apotheken müssen mit Sanktionen rechnen, darunter der Entzug der Betriebserlaubnis. Die AKNR machte deutlich, dass die Verantwortung bei den Apotheken liegt – und nicht allein bei den Plattformen, mit denen sie kooperieren.






