Glasfaserausbau in Deutschland: Offener Netzzugang revolutioniert den Markt bis 2030
Maria-Theresia ThanelGlasfaserausbau in Deutschland: Offener Netzzugang revolutioniert den Markt bis 2030
Offensive für offenen Netzzugang: Deutschlands Glasfaserausbau gewinnt an Fahrt
Die Forderung nach offenem Netzzugang in deutschen Glasfasernetzen nimmt an Tempo auf. Neue Regelungen und Branchenentwicklungen erleichtern es Drittanbietern zunehmend, bestehende Infrastruktur zu nutzen. Bis 2030 wollen selbst kommunale Betreiber wie die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge ihre Netze für Konkurrenten öffnen.
Die Veränderungen erfolgen zu einer Zeit, in der Regulierungsbehörden und Unternehmen diskutieren, wie sich die Konnektivität am besten ausbauen lässt – ohne dabei den Wettbewerb zu verzerren. Ein Entwurf des überarbeiteten Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht nun eine zentrale Vorgabe vor: Betreiber in Gebieten mit Einzelfaser-Infrastruktur müssen Verhandlungsgespräche mit Drittanbietern aufnehmen. Damit sollen Monopole verhindert und ein breiteres Dienstleistungsangebot gefördert werden. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur (BNetzA), fordert schärfere Kontrollen, falls Vereinbarungen zum offenen Netzzugang unzureichend umgesetzt werden.
Die Branche reagiert bereits. Deutsche GigaNetz hat Kooperationen mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof sowie dem Regionalanbieter Westconnect geschlossen. Gleichzeitig wird Plusnet bald eigene Dienste über die Netze von OXG anbieten. Diese Partnerschaften verdeutlichen einen klaren Trend: Unternehmen teilen sich Infrastruktur, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.
Doch es gibt weiterhin Hürden. Marc Kahabka von VSE Net warnte, dass die Nachrüstung bestehender Netze für die neuen Offene-Zugang-Standards eine Herausforderung darstellen könnte. Steven Blount von EWE Tel räumte ein, dass die Anfangsinvestitionen steigen könnten, betonte aber, dass eine vollständige Auslastung der Netze die Mehrausgaben rechtfertige. Zudem hat die Branche mit S/PRI eine standardisierte Schnittstelle eingeführt, um die Anbindung verschiedener Glasfasersysteme zu vereinfachen.
Die Nachfrage nach Wahlfreiheit treibt den Wandel voran. Frank Rosenberger von 1&1 Versatel berichtete, dass 83 Prozent der Kunden die Möglichkeit wünschen, den Anbieter zu wechseln, ohne die Infrastruktur ändern zu müssen. Mit fast 300 Betreibern, die derzeit in Deutschland Glasfaser ausrollen, entwickelt sich der offene Netzzugang rasant zu einem Grundpfeiler der Branchenexpansion.
Die Änderungen werden den Betrieb von Glasfasernetzen in Deutschland grundlegend verändern. Betreiber müssen nun Investitionskosten gegen die Notwendigkeit eines breiteren Zugangs abwägen. Für Verbraucher verspricht der Wandel mehr Auswahl und potenziell sinkende Preise, sobald der Wettbewerb zunimmt.
Die Regulierungsbehörden kommen dabei eine Schlüsselrolle zu: Ihre Aufsicht wird entscheiden, ob die neuen Regeln ihre Ziele erreichen – oder ob Lücken in Versorgung und Fairness bleiben.






