Guido Westerwelle: Zehn Jahre nach dem Tod des polarisierenden FDP-Vordenkers
Evangelos RörrichtVom 'Jungtürken' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Zehn Jahre nach dem Tod des polarisierenden FDP-Vordenkers
18. März jähren sich zum zehnten Mal der Tod von Guido Westerwelle, dem ehemaligen Vorsitzenden der Freien Demokratischen Partei (FDP). 2016 starb er mit nur 54 Jahren nach einem fast zweijährigen Kampf gegen Leukämie. Eine neue 90-minütige ARD-Dokumentation wirft nun ein Licht auf seine privaten Kämpfe und sein politisches Erbe.
Westerwelle stieg bereits in den 1980er-Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit, als er den Jugendverband der FDP, die Jungen Liberalen, prägte. Sein mutiger, mitunter forscher Stil machte ihn früh zu einer markanten Figur. 2009 führte er die FDP unter seiner Führung zum besten Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte – mit 14,6 Prozent der Stimmen.
Mit aufsehenerregenden Kampagnen modernisierte er das Image der Partei, etwa mit dem provokanten Slogan "Zuhause ist da, wo das Geld ist" (2009). Sein unkonventioneller Stil – glamouröse Auftritte, mediengewandtes Auftreten und eine fast popstarhafte Inszenierung – zog junge Wähler an, stieß aber auch auf Kritik. Gegner warfen ihm Oberflächlichkeit vor und bezichtigten ihn, Politik in bloße Show zu verwandeln.
Im Juni 2014 erhielt Westerwelle die Diagnose Leukämie. Die Krankheit trat er mit Disziplin und ohne öffentlich gezeigte Selbstmitleid entgegen. Selbst als sein Gesundheitszustand sich verschlechterte, veröffentlichte er im November 2015 "Zwischen zwei Leben" – ein Buch, in dem er seine politische Laufbahn reflektierte und sich einen Neuanfang erhoffte. Doch die Krankheit besiegte ihn weniger als ein Jahr später.
Die Dokumentation zeigt einen Mann, der die Grenzen zwischen privater Widerstandskraft und öffentlicher Inszenierung verwischte. Seine Strategien hinterließen Spuren in der deutschen Politik, besonders darin, wie Parteien junge Zielgruppen ansprechen. Zehn Jahre nach seinem Tod bleibt Westerwelles Mischung aus Ehrgeiz, Kontroversen und persönlichem Schicksal ein prägendes Kapitel der FDP-Geschichte.






