17 June 2026, 18:18

KI schreibt Reden für Minister – ist das noch vertrauenswürdig?

AI-Vorfälle bei "Welt" und "FAZ"

KI schreibt Reden für Minister – ist das noch vertrauenswürdig?

Digitalminister Karsten Wildberger setzt regelmäßig KI ein, um Reden und Gastbeiträge zu verfassen. Für ihn sind solche Tools nicht anders als Textverarbeitungsprogramme oder redaktionelle Unterstützung. Doch die Technologie hat in Deutschlands Medien- und Politikkreisen bereits für Kontroversen gesorgt.

Wildberger nutzt große Sprachmodelle, um Artikel für renommierte Publikationen wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung oder das Handelsblatt zu verfassen. Sein Ministerium betrachtet KI als praktisches Hilfsmittel – nicht als Ersatz für menschliche Kontrolle.

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Anderswo führte der Einsatz von KI bereits zu Rückschlägen: Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sah einen mit KI-Unterstützung verfassten Gastbeitrag von der FAZ abgelehnt. Der Tagesspiegel entließ zudem seinen ehemaligen Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, nachdem dieser KI-generierte Kommentare veröffentlicht hatte.

Nicht alle Reaktionen fallen jedoch negativ aus. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, veröffentlichte stolz eine Kolumne, die vollständig von Google Gemini verfasst worden war. Einige Journalisten argumentieren, dass die Ablehnung fehlerhafter KI-Inhalte schlicht der Qualitätskontrolle diene – und kein Fortschrittsfeindlichkeit sei.

Kritiker warnen jedoch, dass eine unkritische Nutzung von KI ohne Überprüfung zu Fehlern führen könne. Zwar hätten Politiker und Beamte schon immer auf Berater oder Ghostwriter zurückgegriffen, doch KI berge neue Risiken. Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher, doch KI verändert bereits jetzt, wie Führungskräfte und Medien arbeiten. Die Technologie bietet Effizienz, verlangt aber nach sorgfältiger Prüfung. Ohne angemessene Kontrollen können Fehler durchrutschen – und die Glaubwürdigkeit leiden.

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