Luftfahrtbranche in Deutschland kämpft mit Kerosinpreisen und Steuerchaos
Claudius KeudelLuftfahrtbranche in Deutschland kämpft mit Kerosinpreisen und Steuerchaos
Deutschlands Luftfahrtbranche steht vor neuen Herausforderungen: Steigende Kerosinkosten und Steuerpolitik belasten die Airlines
Die deutsche Luftfahrtbranche sieht sich mit frischen Belastungen konfrontiert, da die Treibstoffkosten explodieren und die Steuerpolitik sich ändert. Die Lufthansa warnt vor zusätzlichen Ausgaben in Höhe von 1,7 Milliarden Euro aufgrund stark gestiegener Kerosinpreise, während die Passagierzahlen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie liegen. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, die Luftverkehrsteuer um 16,1 Prozent zu senken – eine Kehrtwende nach der jüngsten Erhöhung.
Im Mai 2024 hatte Deutschland die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent angehoben. Nun, weniger als ein Jahr später, schlägt die Regierung eine Senkung um 16,1 Prozent vor – eine inkonsistente Politik, die für Diskussionen sorgt. Die oppositionelle AfD geht noch weiter und fordert die vollständige Abschaffung der Steuer bis zum 1. Dezember 2024.
Der Gesetzentwurf sieht nicht die Wiedereinführung eines früheren Mechanismus vor, der die Steuerhöhe an die Einnahmen aus Emissionszertifikaten koppelte. Stattdessen sollen die Mindereinnahmen durch Kürzungen im Haushaltstitel 12 ausgeglichen werden, der Mittel für die Instandhaltung von Straßen, Brücken und Häfen bereitstellt.
Die steigenden Kosten und die schwache Nachfrage setzen die Branche bereits stark unter Druck. Die Kerosinpreise haben sich seit Dezember 2023 mehr als verdoppelt und machen nun 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten der Airlines aus. Allein die Lufthansa rechnet mit zusätzlichen Treibstoffkosten von 1,7 Milliarden Euro. Auch die Passagierzahlen erholen sich nur langsam: Für 2025 werden 219,8 Millionen Reisende erwartet – 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019.
Die Krise beschränkt sich nicht auf die Finanzen. Durch die schwache Konjunktur und den Rückgang von Geschäftsreisen sind rund 10.000 Arbeitsplätze in der Luftfahrt gefährdet. Gleichzeitig könnte die für Juni auf der Berliner Luftfahrtschau (ILA) vorgestellte Nationale Luftfahrtstrategie der Bundesregierung Schwierigkeiten haben, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in der Branche zu sichern.
Die Luftfahrtindustrie kämpft mit höheren Treibstoffrechnungen, geringeren Passagierzahlen und möglichen Stellenstreichungen. Die Steuerentlastung bringt zwar etwas Erleichterung, doch die Finanzierung erfolgt auf Kosten der Verkehrsinfrastruktur. Angesichts der noch nicht vollends erholten Nachfrage und weiter steigender Kosten müssen sich Airlines und Beschäftigte auf weitere Unsicherheiten einstellen.






