19 April 2026, 06:21

Machtkampf bei DocMorris: Soll ein gescheiterter Branchenveteran das Ruder übernehmen?

Apothekenfront mit der Aufschrift "The Generics Pharmacy" mit umgebenden urbanen Elementen unter einem klaren blauen Himmel.

Machtkampf bei DocMorris: Soll ein gescheiterter Branchenveteran das Ruder übernehmen?

Bei DocMorris, Europas größter Online-Apotheke, bahnt sich ein Machtkampf an. Aktionäre drängen darauf, Vorstandschef Walter Oberhänsli durch Dr. Fritz Oesterle zu ersetzen, einen ehemaligen Branchenführer. Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten und wachsendem Wettbewerb im digitalen Apothekensektor zu kämpfen hat.

Gleichzeitig bereiten sich große Einzelhändler auf den Markteintritt vor – ein Zeichen für einen Umbruch im Online-Vertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente.

DocMorris hatte in den vergangenen Jahren mit schwachen Gewinnen zu kämpfen. Hohe Marketingkosten und stagnierendes Wachstum belasteten die Performance. Nun fordern Aktionäre, unterstützt von der Investmentfirma Ceplion, einen Führungswechsel. Ihr Wunschkandidat: Dr. Fritz Oesterle, der einst den Pharmagroßhändler Celesio leitete.

Oesterles Zeit bei Celesio endete 2011, nachdem er mit einer Wette auf die Marktliberalisierung gescheitert war. Er hatte DocMorris 2007 übernommen in der Hoffnung, dass EU-Regeln den Besitz von Apotheken durch externe Investoren erlauben würden. Doch der Europäische Gerichtshof bestätigte 2009 die strengen Besitzregelungen für Apotheken, woraufhin Celesio sich zurückziehen musste. Seitdem war Oesterle in Aufsichtsratsfunktionen tätig, wobei seine Expertise eher im traditionellen Apothekenhandel als im digitalen Gesundheitsbereich liegt.

Ceplions Plan ist ehrgeizig: Sollte Oesterle erfolgreich sein, würde er DocMorris in Richtung einer "Gesundheitsversorgung auf Knopfdruck"-Plattform führen und damit den europäischen Online-Apothekenmarkt dominieren. Doch die Herausforderung ist groß, da die Konkurrenz bereits in Position geht.

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, testet bereits Video-Arztkonsultationen und bereitet einen eigenen Online-Rezeptservice vor. Auch der Drogerieriese dm steigt in den digitalen Apothekenverkauf ein. Diese neuen Marktteilnehmer könnten die Branche grundlegend verändern – unabhängig davon, wer künftig DocMorris führt.

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Der Kampf um die Führung bei DocMorris spiegelt tiefgreifendere Veränderungen im Apothekensektor wider. Traditionelle Anbieter und Einzelhandelsgiganten konkurrieren nun um Marktanteile im Online-Vertrieb von Rezeptmedikamenten. Angesichts des Profitdrucks und der zunehmenden Konkurrenz werden die nächsten Schritte des Unternehmens darüber entscheiden, welchen Platz DocMorris in einer sich wandelnden Branche einnehmen wird.

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