Massenproteste gegen sexualisierte Gewalt fordern schnelle Gesetzesreformen in Deutschland
Frida StiebitzMassenproteste gegen sexualisierte Gewalt fordern schnelle Gesetzesreformen in Deutschland
Massenproteste gegen sexualisierte Gewalt erschüttern deutsche Städte am Wochenende
Am Wochenende haben in mehreren deutschen Städten massenhafte Proteste gegen sexualisierte Gewalt stattgefunden. Allein in Köln demonstrierten am Samstag über 5.000 Menschen, am Sonntag folgten Hunderte in Bonn. Die Kundgebungen stehen im Zusammenhang mit wachsender öffentlicher Empörung über Fälle digitaler Gewalt, darunter die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen.
Die Proteste begannen in Köln, wo sich mehr als 5.000 Menschen versammelten, um besseren Schutz für Frauen zu fordern. Politikerinnen der Frauen-Union der CDU schlossen sich dem Marsch an und riefen zu dringenden Gesetzesreformen auf.
In Bonn füllten über 500 Demonstrantinnen und Demonstranten am Sonntag den Marktplatz vor dem alten Rathaus. Die von einem Bündnis lokaler Ratsparteien organisierte Veranstaltung zeigte Schilder mit Aufschriften wie "Girls just wanna be safe". Rednerinnen forderten Männer auf, sich mit frauenfeindlichem Verhalten auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Beendigung von Gewalt zu übernehmen.
Die Proteste folgen einem Spiegel-Bericht über Fernandes' Vorwürfe, Ulmen habe gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet. Der Fall hat eine bundesweite Debatte ausgelöst und die Bundesregierung unter Druck gesetzt, neue Gesetze auszuarbeiten. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) schlug vor, die unerlaubte Verbreitung von Nacktaufnahmen, Deepfakes, den Einsatz von Spionagesoftware und heimliche Überwachung unter Strafe zu stellen. Der Entwurf sieht zudem höhere Strafen, elektronische Fußfesseln für Täter sowie verpflichtende Schulungskurse vor. Internetanbieter könnten zudem gezwungen werden, Opfern die IP-Adressen der Täter offenzulegen.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, strengere Schutzmaßnahmen nicht zu unterstützen. Innerhalb der Regierung laufen Anfang 2026 noch interne Beratungen über das Gesetzespaket.
Die Proteste unterstreichen den wachsenden Druck auf die Politik, digitale und sexualisierte Gewalt entschlossener zu bekämpfen. Sollten die geplanten Rechtsverschärfungen verabschiedet werden, wären damit härtere Strafen und mehr Transparenz für Betroffene verbunden. Wie effektiv die Forderungen umgesetzt werden, hängt nun von der Reaktion der Regierung ab.






