Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Blockade vor – kurz nach Wankes Tod
Evangelos RörrichtKommission zur Bearbeitung von Sexualmissbrauchbeschwerden klagt über Hindernisse in der Diözese Erfurt - Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Blockade vor – kurz nach Wankes Tod
Eine unabhängige Kommission, die sexuellen Missbrauch im Bistum Erfurt untersucht, wirft Kirchenvertretern vor, ihre Arbeit behindert zu haben. Die Vorwürfe wurden nur einen Tag vor der Beerdigung von Joachim Wanke bekannt, des früheren Bischofs des Bistums. Die 2021 eingesetzte Kommission prüft Fälle, die bis ins Jahr 1945 zurückreichen.
Im jüngsten Jahresbericht der Kommission, der am 29. Oktober 2024 veröffentlicht wurde, sind 64 bestätigte Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen dokumentiert. Seit Beginn der Ermittlungen haben sich insgesamt 78 Opfer gemeldet. Bischof Ulrich Neymeyr wies die Ergebnisse jedoch als einen "unfertigen Arbeitsbericht" zurück, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei.
Bei einem Gedenkgottesdienst für Wanke räumte Neymeyr ein, der verstorbene Bischof habe einst um Vergebung für frühere Entscheidungen im Umgang mit missbrauchenden Priestern gebeten. Die Kommission wirft Kirchenvertretern hingegen vor, ihre Arbeit wiederholt blockiert zu haben – unter Berufung auf Datenschutzbestimmungen und die Sorge, Opfer könnten retraumatisiert werden. Rechtliche Schritte wurden erwogen, letztlich aber wegen der langen Verfahrensdauer fallen gelassen.
Die Kommission plant nun, ihren Abschlussbericht in diesem Herbst vorzulegen und damit ihre dreijährige Untersuchung von Missbrauchsfällen über fast acht Jahrzehnte abzuschließen.
Die Erkenntnisse der Kommission unterstreichen die anhaltenden Spannungen zwischen den Ermittlern und der Kirchenführung. Mit 64 bereits bestätigten Fällen könnte der Abschlussbericht die Aufarbeitung historischen Missbrauchs im Bistum weiter in den Fokus rücken. Die Veröffentlichung im Herbst markiert das Ende der 2021 gestarteten Untersuchung.






