01 May 2026, 12:25

Ohne OTZ in Greiz: Wie elf Dörfer plötzlich ohne Zeitung dastehen

Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt "Weitpreubliche Zeitung", mit einem Gruppenbild von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Atmosphäre.

Ohne OTZ in Greiz: Wie elf Dörfer plötzlich ohne Zeitung dastehen

Die Druckausgabe der Ostthüringer Zeitung (OTZ) erreichte im vergangenen Frühling elf Dörfer rund um Greiz nicht mehr. Der Verlag Funke Mediengruppe stellte auf eine rein digitale Version um und begründete dies mit den hohen Zustellkosten in der dünn besiedelten Region. Die Entscheidung löste bei den Einwohnern Frust aus, die jahrzehntelang auf die tägliche Zeitung angewiesen waren.

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Viele Abonnenten kündigten nach der Umstellung, wodurch eine Lücke in der lokalen Berichterstattung entstand. Nun füllen kostenlose Kleinanzeigenplattformen und politische Online-Medien – darunter ein Portal mit Verbindungen zur AfD – diese Leerstelle.

Die Abschaffung der Printauslieferung erfolgte, während Funke die Region Greiz zur "Modellregion für die Digitalisierung ländlicher Räume" erklärte. Vor der Umstellung erhielten rund 300 Haushalte die OTZ, doch fast die Hälfte – 47 Prozent – sagte ihr Abo nach dem Wegfall der gedruckten Ausgabe auf. Der Verlag hatte keine sofortige Alternative vorbereitet und die Ablehnung der Leser unterschätzt, für die das morgendliche Zeitungsritual von großer Bedeutung war.

Der Verlust der Zeitung traf Dörfer, die ohnehin schon mit schrumpfenden Angeboten kämpfen. Bewohner berichteten von wachsender Isolation, da eine weitere Verbindung zur Außenwelt wegfiel. Viele forderten mehr investigativen Journalismus, Hintergrundberichte und eine größere Vielfalt lokaler Stimmen in den verbleibenden Medien.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen startete das Netzwerk Recherche einen "Support Desk für Lokaljournalismus". Die Initiative unterstützt Journalisten bei Rechercheproblemen, praktischen Hindernissen und ethischen Fragen. Gleichzeitig zeigte das Projekt, dass lokale Nachrichten über die reine Ereignisberichterstattung hinausgehen und sich an veränderte Leserbedürfnisse anpassen müssen.

Wo einst die OTZ dominierte, ziehen nun kostenlose Anzeigenportale und politisch geprägte Websites die Aufmerksamkeit auf sich. Ein solches Medium, das der AfD nahesteht, gewinnt in der Region an Einfluss und bietet eine alternative Perspektive auf lokale Themen.

Der Rückzug vom Print in Greiz hat verändert, wie die Menschen an Nachrichten kommen. Ehemalige Abonnenten nutzen zwar digitale Alternativen, doch nicht alle vertrauen den neuen Quellen gleichermaßen. Angesichts der Krise des traditionellen Journalismus dient die Erfahrung der Region als Fallbeispiel dafür, wie ländliche Gemeinden sich an eine Zukunft ohne gedruckte Zeitungen anpassen – oder auch nicht.

Quelle