Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken – was steckt dahinter?
Maria-Theresia ThanelAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken – was steckt dahinter?
Die Zahl der Pendler, die aus Sachsen-Anhalt aus- und einreisen, ist leicht zurückgegangen. Im Juni 2025 verließen rund 148.000 Einwohner das Bundesland für Arbeitsplätze in anderen Regionen, während 75.700 Menschen von außerhalb zur Arbeit nach Sachsen-Anhalt kamen. Behörden führen diesen Trend auf eine verlangsamte Jobentwicklung und langfristige wirtschaftliche Verschiebungen in der Region zurück.
Etwa jeder fünfte erwerbstätige Einwohner Sachsen-Anhalts arbeitet außerhalb des Landes. Die häufigsten Ziele der Pendler sind Sachsen, Niedersachsen und Thüringen. Viele von ihnen sind in qualifizierten Berufen in der Industrie, im Einzelhandel, in der Fahrzeugreparatur, der Logistik oder im Baugewerbe tätig.
Der Rückgang der ausgehenden Pendlerströme hat tiefe Ursachen. Werksschließungen und der industrielle Strukturwandel nach der deutschen Wiedervereinigung führten zu massiven Arbeitsplatzverlusten in traditionellen Branchen. Hohe Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen Bundesländern veranlasste vor allem jüngere Arbeitnehmer, in Westdeutschland nach besseren Verdienstmöglichkeiten zu suchen. Zudem verringerte die Automatisierung – besonders nach der Finanzkrise 2008 – die Nachfrage nach manuellen Arbeitskräften.
Auch die Zahl der Einpendler ist gesunken. Aktuell arbeiten etwa 75.700 Menschen aus anderen Bundesländern in Sachsen-Anhalt – leicht weniger als im Vorjahr. Die meisten kommen aus den Nachbarregionen Sachsen, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg. Rund 5.400 Beschäftigte reisen aus dem Ausland an, um im Land zu arbeiten.
Markus Behrens, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, nannte das schwächere Jobwachstum als Hauptgrund für die Entwicklung. Der Rückgang – etwa 600 Auspendler weniger als 2024 – spiegle die übergeordneten wirtschaftlichen Herausforderungen der Region wider.
Der leichte Rückgang der grenzüberschreitenden Pendlerbewegungen unterstreicht die anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen in Sachsen-Anhalt. Weniger Einwohner verlassen das Land für Arbeitsplätze, und weniger Menschen kommen von außerhalb hinzu. Der Trend setzt sich nach Jahrzehnten des industriellen Wandels und veränderter Nachfrage nach Arbeitskräften fort.