Deutsche lehnen höhere Kosten und Leistungskürzungen im Gesundheitssystem ab
Maria-Theresia ThanelDeutsche lehnen höhere Kosten und Leistungskürzungen im Gesundheitssystem ab
Eine neue Umfrage zeigt deutlichen Widerstand gegen geplante Reformen im deutschen Gesundheitssystem. Die von Insa im Auftrag der Bild am Sonntag durchgeführte Erhebung ergab, dass die Mehrheit der Befragten weder höhere Kosten noch Leistungskürzungen akzeptieren will.
Die Ergebnisse liegen nur wenige Tage vor der geplanten Vorstellung der Reformvorschläge einer Expertenkommission am Montag, dem 30. März 2026. Zwischen dem 26. und 27. März 2026 hatte Insa 1.003 Personen zu möglichen Gesundheitsreformen befragt. Lediglich 8 Prozent erklärten sich bereit, höhere Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Weitere 11 Prozent könnten sich vorstellen, höhere Zuzahlungen für Medikamente und Krankenhausaufenthalte zu akzeptieren.
Bei der Frage nach Leistungseinschränkungen zeigten sich 21 Prozent offen dafür, das Spektrum der erstattungsfähigen Behandlungen zu verringern. Gleichzeitig unterstützten 31 Prozent die Abschaffung der Überweisungspflicht für Fachärzte. Nur 14 Prozent sprachen sich für die Wiedereinführung von Praxisgebühren aus.
Besonders umstritten war das Vorhaben, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. Hier lehnten 57 Prozent die geplante Änderung ab, während 28 Prozent sie befürworteten. Insgesamt sprachen sich 39 Prozent gegen jede Form von Leistungskürzungen für Versicherte aus.
Die anstehenden Vorschläge der Expertenkommission umfassen unter anderem die Abschaffung der beitragsfreien Familienversicherung für Ehepartner, den Abbau bestimmter Leistungen sowie die Einführung von Abgaben auf ungesunde Produkte. Weitere diskutierte Maßnahmen zielen auf strukturelle Reformen ab, um die Ausgabenentwicklung zu begrenzen – etwa durch den Abbau von Überkapazitäten in Krankenhäusern und die Senkung von Verwaltungskosten. Auch die Finanzierung nicht versicherungsfremder Leistungen, wie etwa Unterstützungen für Bürgergeld-Empfänger, könnte künftig statt aus Beiträgen aus Steuermitteln bestritten werden. Diese Ideen wurden bereits von Gesundheitsverbänden, Politikern und Arbeitgebervertretern diskutiert.
Die Umfrage unterstreicht die geringe Bereitschaft der Bevölkerung, zusätzliche Kosten zu tragen oder auf bestehende Leistungen zu verzichten. Angesichts der für den 30. März erwarteten Empfehlungen der Kommission steht die Regierung vor der Herausforderung, unpopuläre Reformen durchzusetzen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mögliche Änderungen behutsam umgesetzt werden müssen, um finanzielle Nachhaltigkeit mit öffentlicher Akzeptanz in Einklang zu bringen.






