07 May 2026, 12:29

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR ihr Erbe verleugnete

Metallplatte an einer Gebäudewand mit hebräischer Schrift, wahrscheinlich ein Denkmal für die jüdische Gemeinde.

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR ihr Erbe verleugnete

Ein neues Buch des Historikers Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der ehemaligen DDR. „Verleugnetes Erbe“ enthüllt, wie die DDR trotz ihres antifaschistischen Anspruchs versagte, jüdisches Kulturgut zu bewahren. Die Forschung beleuchtet zudem die schmerzhafte Vergangenheit der Stadt – von der NS-Zerstörung bis zur Vernachlässigung im Kalten Krieg.

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Halberstadt war einst ein blühendes Zentrum des neo-orthodoxen Judentums. Diese Gemeinschaft wurde während der NS-Zeit ausgelöscht; die Zerstörung der Synagoge 1938 markierte den Beginn ihrer Vernichtung. Nach dem Krieg entstand 1949 auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge, wo Häftlinge für die unterirdische Rüstungsproduktion gezwungen wurden, eine Gedenkstätte.

1969 gestaltete die DDR die Gedenkstätte zu einem Ort politischer Schulung und Treuegelöbnisse um. Die Stollensysteme des Lagers wurden 1979 sogar als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet. Grafs Arbeit zeigt: Obwohl jüdische Überlebende die ostdeutsche Kultur mitprägten, unternahm der Staat kaum Anstrengungen, ihr Erbe zu bewahren.

Anstoß für das Buch gab auch eine Kontroverse aus dem Jahr 2018 um den Verkauf der Halberstädter Rathauspassagen, die zu antisemitischen Unterstellungen einer angeblichen „Verschacherung an Juden“ führte. Grafs Forschung – inklusive einer annotierten Bibliografie und einem Vorwort der Historikerin Yfaat Weiss – deckt die Kluft zwischen der antifaschistischen Rhetorik der DDR und ihrem Umgang mit jüdischer Geschichte auf.

Grafs Erkenntnisse dokumentieren eine Politik des Vergessens in Halberstadt: Während NS-Stätten für staatliche Zwecke umgenutzt wurden, blieb das jüdische Erbe der Stadt ignoriert. Das Buch rekonstruiert detailliert, was verloren ging – und wie wenig getan wurde, um es zu bewahren.

Quelle