Sachsen-Anhalt: Betriebsprüfungen brechen ein – Arbeitnehmer bleiben schutzlos
Maria-Theresia ThanelSachsen-Anhalt: Betriebsprüfungen brechen ein – Arbeitnehmer bleiben schutzlos
Betriebsprüfungen in Sachsen-Anhalt gehen stark zurück
In Sachsen-Anhalt sind die Arbeitsplatzkontrollen in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Während die Behörden im Jahr 2022 noch 1.598 Betriebsprüfungen bei Arbeitgebern durchführten, sank diese Zahl bis 2025 auf nur noch 691. Kritiker warnen nun, dass die lasche Umsetzung viele Beschäftigte dem Risiko von Lohnverstößen und schlechten Arbeitsbedingungen aussetzt.
Der Rückgang der Kontrollen erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der gesetzliche Mindestlohn in der Region bei 13,90 Euro pro Stunde liegt. Eine geplante Erhöhung auf 14,60 Euro im Jahr 2027 hat bereits Debatten ausgelöst, ob die Überwachung mit der Entwicklung Schritt halten wird. Derzeit verdienen 23,3 % der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt weniger als 15 Euro pro Stunde – in nicht tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil sogar bei 35 %.
Der Linksparteien-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Durchsetzungsblindheit" und macht massive Personalengpässe dafür verantwortlich. Er kritisiert, dass die Zollämter nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um Unternehmen wirksam zu überwachen. Bei den aktuellen Prüfungsraten müsste ein durchschnittlicher Betrieb in der Region nur alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Bei Landwirtschaftsbetrieben ist die Lücke noch größer – im Schnitt vergehen 234 Jahre zwischen zwei Besuchen.
Schliesing fordert dringende Reformen, darunter spezielle Staatsanwälte zur Bekämpfung von Lohnverstößen sowie zusätzliche Mitarbeiter für den Zoll. Seine Forderungen kommen zu einer Zeit, in der die Kontrolldichte nur noch bei 42,4 % des Niveaus von 2022 liegt. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Unternehmen in Sachsen-Anhalt gesunken – von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.
Die Diskussion über faire Löhne und deren Durchsetzung wird voraussichtlich an Schärfe gewinnen, je näher die Mindestlohnerhöhung 2027 rückt. Angesichts historisch niedriger Kontrollquoten und eines beträchtlichen Anteils von Beschäftigten, die weniger als 15 Euro verdienen, wächst der Druck auf die Behörden, die Aufsicht zu verstärken. Ohne Gegenmaßnahmen, so die Warnung von Kritikern, bleiben viele Arbeitnehmer weiter der Gefahr von Lohnunterschreitung und Ausbeutung ausgesetzt.






